Manchmal beginnt der schönste Tagesausflug mit einem Fehlstart – und einer Lektion in Sachen Mietwagen im Ausland, die wir so nicht geplant hatten. Unserer begann in Corralejo auf Fuerteventura, wo der Vorabend mit Sangria und guter Laune etwas zu lang geraten war. Die Folge: Der Wecker klingelte, wir hörten ihn nicht – und die erste Fähre nach Playa Blanca auf Lanzarote legte ohne uns ab.
Mietwagen im Ausland: Verschlafen, verpasst, verschoben
Statt Panik gab es Kaffee und die nächste Fähre. Kein Beinbruch, dachten wir – bis wir durchrechneten, dass wir dadurch erst nach Feierabend des Autoverleihers in Playa Blanca ankommen würden. Und dabei hatten wir den Mietwagen nicht einmal vorab online angefragt – null Kontakt zum Vermieter, keine Reservierung, keine Bestätigung, gar nichts. Wir wussten schlicht nicht, ob dort überhaupt noch jemand auf uns anzutreffen sein würde.
Der unkomplizierteste Mietwagen-Übergabe unseres Lebens
Es klappte. Der Vermieter war tatsächlich noch vor Ort, lächelte wissend, drückte uns wortkarg die Autoschlüssel in die Hand, kassierte den vereinbarten Mietpreis in bar und deutete nur kurz auf seinen Briefkasten – dort sollten wir die Schlüssel bei Rückgabe einfach einwerfen. Kein Vertrag, keine Ausweiskopie, keine Kaution, keine Übergabeprotokoll mit Kratzern und Dellen. Einfach: Schlüssel, Geld, Briefkasten, fertig.
Im Rückblick war das die unkomplizierteste – und gleichzeitig riskanteste – Übergabe eines Mietwagens im Ausland, die wir je erlebt haben. Dazu gleich mehr, denn genau das ist der Punkt, auf den wir hier hinaus wollen.
Mietwagen im Ausland: Vulkane, Höhlen und Albino-Krebse im Expresstempo
Mit dem gewonnenen (und gleichzeitig verlorenen) Zeitpolster ging es im Eiltempo über die Insel. Erste Station: El Golfo mit seiner grünen Lagune vor schwarzem Lavagestein. Danach der Timanfaya-Nationalpark, wo einem der Vulkanismus der Insel auf Schritt und Tritt begegnet – schroffe, erdig-rote Landschaften, die wirken, als hätte hier gerade erst etwas gebrodelt.
Weiter ging es in die Cuevas de los Verdes, ein eindrucksvolles unterirdisches Höhlensystem aus vulkanischen Lavaröhren. Nur wenige Kilometer entfernt liegen die Jameos del Agua, wo in einem unterirdischen See die berühmten, komplett blinden Albino-Krebse leben – ein kurioses Naturphänomen, das man auf Lanzarote sonst nirgends sieht. Den Schlusspunkt unserer Tour setzte der Mirador del Río, von dem aus man einen spektakulären Blick über die Meerenge bis zur Nachbarinsel La Graciosa hat. Dort, oben an der Steilküste, kam mir plötzlich eine Kindheitserinnerung: War das nicht eine der Kulissen aus „Tim Thaler oder das verkaufte Lachen“ mit Horst Frank und Thomas Ohrner? Ein kurzer Griff zum Handy bestätigte es – tatsächlich wurde hier gedreht.
César Manrique: beeindruckend, auch im Vorbeifahren
Auffällig war, wie sehr die Handschrift des Künstlers und Architekten César Manrique die gesamte Insel prägt – Cuevas de los Verdes, Jameos del Agua und Mirador del Río tragen alle seine Gestaltung. Selbst im Expresstempo unserer verkürzten Tour war das beeindruckend. Nur für seinen Jardín de Cactus reichte die Zeit am Ende nicht mehr – schade, aber verschmerzbar. Gestochen hätte es uns an diesem Tag wahrscheinlich ohnehin woanders: nämlich dann, wenn auf der Fahrt etwas mit dem Auto passiert wäre.
Mietwagen im Ausland: Warum wir einfach nur Glück hatten
So schön der Tag war: Rückblickend hätte einiges schiefgehen können. Ohne Mietvertrag und ohne dokumentierten Fahrzeugzustand hätten wir bei einer Beschädigung oder einem Diebstahl keinerlei Nachweis gehabt, wer wofür verantwortlich war. Hätte der Vermieter sich bei der Rückgabe als weniger vertrauenswürdig erwiesen, hätten wir keine Handhabe gehabt – kein Vertrag, keine Quittung, keine Ansprechperson.
Genau deshalb ist unsere Geschichte kein Vorbild für einen Mietwagen im Ausland, sondern eine Warnung: Wir hatten Glück, keine gute Vorbereitung.
Worauf ihr bei einem Mietwagen im Ausland wirklich achten solltet
Ein Mietwagen im Ausland gehört für viele einfach zum Urlaub dazu – gerade auf Inseln wie Lanzarote, wo man ohne eigenes Auto kaum vorankommt. Eine ausführliche Checkliste dazu liefert auch der ADAC-Ratgeber zum Auto mieten im Ausland. Damit euer Trip nicht auf unserem Glück, sondern auf echter Sicherheit beruht, hier die wichtigsten Punkte, die ihr beherzigen solltet:
- Immer einen schriftlichen Mietvertrag verlangen, auch bei kleinen, lokalen Vermietern. Ohne Vertrag gibt es im Streitfall keine Beweislage.
- Den Zustand des Fahrzeugs vor der Fahrt gemeinsam mit dem Vermieter dokumentieren – am besten mit Fotos oder einem kurzen Video von allen Seiten, inklusive vorhandener Kratzer oder Dellen.
- Auf ausreichenden Versicherungsschutz achten, insbesondere eine Haftpflicht- und Kaskoversicherung mit möglichst niedriger Selbstbeteiligung.
- Bewertungen und Erfahrungsberichte des Vermieters vorab online prüfen, bevor ihr eine Reservierung vornehmt oder gar bar bezahlt.
- Bei der Übergabe auf eine Quittung über die Zahlung bestehen – idealerweise mit Namen, Datum und Betrag.
- Kontaktmöglichkeiten (Telefonnummer, Adresse) des Vermieters vor der Anreise klären, falls es zu Verzögerungen wie bei uns kommt.
- Bargeld-Only-Angebote ohne jegliche Dokumentation sind ein Warnsignal – auch wenn sie unkompliziert wirken, tragt ihr im Zweifel das gesamte Risiko allein.
Mehr allgemeine Reisebegriffe rund um Planung, Versicherung und Vertragsfragen findet ihr in unserem Reise-ABC.
Mietwagen im Ausland können ein einfacher, günstiger Weg sein, eine Insel wie Lanzarote zu erkunden. Aber „unkompliziert“ sollte nie mit „unabgesichert“ verwechselt werden – bei uns ist es gutgegangen, das ist aber keine Garantie, dass es das für euch auch tut.
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Türkisfarbener Pool mit Palme in den Jameos del Agua, Titelbild Mietwagen im Ausland